Tweetklau und der Riva-Shitstorm

Twitter ist ja mittlerweile unter anderem auch zu einer Art Witzeplattform geworden. Jeder der dort als normaler User bekannt werden möchte, macht sich die Magie des Humors zu eigen und verbreitet seine mehr oder minder witzigen Sprüche. So haben es auch viele aus der so genannten Twitterelite gemacht… Das Wort Elite zu benutzen ist allerdings irgendwie lächerlich. Denn auch wenn man auf Twitter versucht, elitär zu wirken, ist man es noch lange nicht. Mittlerweile folge ich fast gar keinem mehr dieser Gruppierung, weil es mir einfach zu redundant wurde und ich diese bis ins letzte Ausgeschlachteten Meme-Tweets oder des pseudosozialkritischen Gelaber Leid war.

Das soweit zur Elite. Nun gibt es viele Leute, die gerne dazu gehören wollen und dies ebenfalls mit dieser Art von Tweets versuchen. Also gibt es insgesamt unglaublich viele Tweets, die der der Twitterelite zwar ähneln, aber in den meisten Fällen aus Witze-Apps, aus SchülerVZ-Gruppennamen, aus Memes, aus Tweets von weiteren Usern oder anderen irgendwo schonmal gelesenen witzigen Dingen zusammen gewürfelt sind. Das bringt natürlich ein paar Probleme mit sich.

Wie dem auch sei. Ein Punkt an Twitter, der mich bis ans äußerste nervt, ist dieses idiotische Verurteilen und Aufregen über Tweetdiebstahl. Ich finde es natürlich total bescheuert, wenn man von anderen bewusst erfolgreiche Tweets klaut und diese dann als eigene ausgibt, nur um berühmt zu werden… Das gehört sich nicht und das sollte man zurecht nicht akzeptieren! Nun kommt aber das große ABER. Zu einer großen Wahrscheinlichkeit ist es so, dass der Urheber gar nicht der wirkliche Urheber ist. Ich lese so viele Tweets, die ich schon damals als SchülerVZ-Gruppe kannte oder in einem Witze-Buch oder in einer Witze-App gelesen habe. Diese werden auf Twitter verbreitet und irgendeiner schimpft sich dann Urheber, nicht weil ihm der Tweet zu erst eingefallen ist, sondern weil er ihn zu erst irgendwo entdeckt hat. Das ist ungelogen in den meisten Fällen so. Ich habe schon oft genug mitbekommen, dass sich Leute über Tweetklaus von geklauten Tweets aufregen. Ich nenne jetzt keine Beispiele um jemanden zu denunzieren.

Aber um nun mal zusammenfassend zu sagen. Man kann sich gerne über Tweetklau ärgern, wenn der geklaute Tweet von einem selber ist. Doch in den meisten Fällen kann man den Urheber nichtmal mit Google herausfinden, weil es erstens einfach viel zu viele Ergebnisse gibt, zweitens Google nicht alles findet und drittens der Urheber auch mittels eines Print Mediums seine Sprüche veröffentlicht hätte können. Man hat beinahe das Gefühl, dass man fast jeden Tweet irgendwo schon mal gelesen hat.

Hier mal ein Beispiel.

Vor einem ähnlichen Problem steht auch der Riva Verlag. Dieser wollte nämlich ein Buch mit vielen lustigen Sprüchen veröffentlichen. Die Quelle war eine Facebookseite. Weiteres haben die Kollegen von Mint-Forum gut zusammengefasst. Um es aber mal auf den Punkt zu bringen: Auf der Facebookseite, die als Quelle gilt, wurden sämtliche Sprüche im Internet und meistens auf Twitter gesammelt. Der Autor selber hatte sich keinen ausgedacht. Das ist natürlich nicht so gut. Der Riva-Verlag kann das natürlich auf Anhieb nicht wissen und verlässt sich darauf, dass der Facebookseitenautor sämtliche Rechte an den Sprüchen hat. Da hat Riva selber Schuld aber, das ist eher Doofheit als Hinterhältigkeit. Es kommt aber wie es kommen musste und die Sache fliegt auf. So. Nun folgt aber das, was ich entscheidend finde: Wenn man diese Sprüche googlet oder in sozialen Netzwerken sucht, findet man nun mehr Quellen als Twitter und bei einigen Sprüchen ist es sogar so, dass andere Quellen vom Erscheinungdatum viel früher veröffentlicht wurden, als die Twitterpostings. Natürlich ist es im Einzelfall anders und sicher gibt es gewiss Sprüche, die definitiv von einem Twitteruser stammen. Diese dann zu übernehmen und sogar noch in monetarisiert zu veröffentlichen, wäre ziemlich dreist. Doch sonst muss man einfach sagen: So viele Sprüche haben sich im Internet derart eingebürgert, dass man gar nicht sagen kann, wer der Urheber ist. Wenn man jetzt da so hinterher ist, das herauszufinden, kann man eigentlich kaum noch einen Spruch irgendwo verwenden.

Doch nun zu einem weiterem Punkt. Es kann natürlich auch sein, dass man sich einen Tweet ausdenkt, der einem anderen sehr ähnlich ist. Gerade, wenn man einen Meme-Tweet verfasst, ist es häufig der Fall. Nun wird sich gewiss der ein oder andere darüber empören, dass der Tweet doch geklaut sei. Auch das hab ich schon mal mitbekommen. Ich habe mir dann die Frage gestellt: Was soll man machen? Soll man nun bei jedem Tweet googlen oder die Twitter-Suche nutzen, ob es auf Twitter ähnliche Tweets gibt und wenn ja, soll man dann sein lassen, diese zu tweeten? Wenn das so sein sollte, würde Twitter gar keinen Spaß mehr machen. Twitter soll Spaß machen und leider ist es mittlerweile so, dass die, die Spaß verbreiten wollen, etwas an dem Netzwerk kaputt machen. Mich nervt diese Tweetklaugeschichte nur noch. Ich denke, diejenigen, die sich über Tweetklau empören, ärgern sich genauso, dass YouTube-Videos wegen Urheberrechtsansprüchen der GEMA gesperrt werden. Nun findet mal Vergleiche zu euren Aktionen. Das ist in diesem Fall genau dasselbe. Ihr erwartet, dass euer geistiges Eigentum in Form von Tweets geschützt wird und nicht geklaut wird. Ob nun ein anderer eine ähnliche oder gar gleiche Idee hat, wird nicht akzeptiert. Das ist sehr schade und macht einiges an der Twittercommunity kaputt.
Wenn Twitter dazu verkommt, dass jeder auf Teufel komm raus berühmt werden möchte und sich auf irgendeine Weise versucht zu profilieren, ist es wirklich sehr schade. Auf Twitter ist ein Bekanntheitsgrad vollkommen irrelevant. Und das ist auch gut so. Leider sehen das viele nicht ein.

Das wäre jetzt meine Meinung. Ich bin auf eure gespannt. Diskutiert in den Kommentaren.

Ein Kommentar
  1. Nun ja, einerseits gebe ich Ihnen Recht, eigentlich sogar in fast allen Punkten, außer das mit dem auf Teufel komm raus berühmt werden. Ich kann an dieser Stelle nur für mich sprechen, aber wollte ich berühmt werden, würde ich meinen RL-Namen benutzen und nicht vehement abstreiten den ein oder anderen ‘Spruch’ verfasst zu haben.

    Ich unterstütze den aktuellen Fall aus diesem Grund, das dieses besagte Buch unter dem Deckmantel ‘Charity’ verkauft wird. Inwiefern das der Fall ist, weiß ich nicht, aber kann mir nicht vorstellen das jemand der so dreist wie der “Autor” ist, tatsächlich nur Gutes im Sinn hat.

    Sicher haben Sie recht damit das Twitter Spaß machen und sich nicht immer nur um angebliche Tweetklauerei drehen sollte, aber in diesem Fall darf meiner Meinung nach eine Ausnahme gemacht werden.

    Antworten
    Ich
    13. Dezember 2014, 14:03

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