Biernominierungen auf Facebook — Weder tödlich noch dämlich?

Der Biernominierungstrend geht um und ist in aller Munde. Entweder man macht selber ein Video oder man beschwert sich darüber. Die Medien berichten ebenfalls darüber und stellen “Gefahren” des Trends dar oder berichten darüber, welche halbwegs prominente Personen sich durch die Biernominierung wieder mal blamiert haben. Kaum ein Trend hat einen schlechteren Ruf und kaum ein Trend ist momentan präsenter auf Facebook. Doch was ist davon zu halten?

beer

Biernominierungen: Ein tödliches Unterfangen?
Um diese Frage gleich zu beantworten. Nein natürlich nicht. Auch wenn Medien es so darstellen. Focus online (kann ich eh nicht leiden) betitelt einen Artikel wie folgt: “Tödliche Gefahr: Viraler Trend ‘Bier-Nominierung’ erfasst Deutschland“. Auch die Welt stellt die Biernominierung relativ eindeutig dar: “Das tödliche Risiko des Kampftrinkens auf Youtube“. Was aber war passiert? In Irland sind zwei jugendliche gestorben. Allerdings bleibe ich mal bei der Welt und zitiere von dort: “Ein 22-Jähriger wurde in Dublin leblos aufgefunden, nachdem er mehrere Schnäpse hintereinander getrunken hatte.” Ahja. Es waren Schnäpse. Sind Schnäpse Teil einer Biernominierung? Nein natürlich nicht. Dass man an zu viel Alkohol sterben kann, ist nichts neues. Biernominierungen haben allerdings mit diesem Tod nichts zu tun, auch wenn eben dieser Junge eine gemacht hat. Doch was ist mit dem zweiten Toten? Auch hier zitiere ich wieder die Welt: “Ein 19-Jähriger wiederum sprang im Rahmen der Herausforderung nach dem Bierkonsum in einen Fluss und ertrank.” Ist das Springen von einer Brücke Teil einer Biernominierung? Auch das kann man mit “Nein” beantworten. Auch hier wird die Dämlichkeit eines einzelnen dafür genutzt, um über Biernominerungen sensationsgeil zu berichten. Das bringt viele Besucher, das bringt viel Geld. Doch diese beiden Todesfälle haben nur im entferntesten mit den Biernominierungen zu tun. Von daher ist es vollkommender Unsinn, darüber zu berichten, dass Biernominierungen ach so gefährlich sind. Man trinkt Bier. Man trinkt kein Schnaps und man springt auch nicht von Brücken. Wenn man einen halben Liter Bier runtertrinkt, ist es genauso tödlich, als wenn man einen halben Liter Rubby Bubble ext.

Biernominierungen: Der dämlichste Trend seit langem?
Hierrüber kann man sich streiten. Ich persönlich halte nicht viel von den Biernominierungen. Ich mag kein Bier und finde die Videos relativ langweilig. Manche sind sogar ziemlich peinlich. Aber okay. Dass Biernominierung erst 2014 erfunden wurden, ist falsch. Auch damals hat man sich im Rahmen irgendwelcher Feiern gegenseitig “motiviert” Bier zu exen. Das ist nichts neues und auch nichts besonderes. Dadurch, dass aber immer mehr Interaktionen des normalen Lebens digitalisiert werden, ist es also kein Wunder, dass diese Wettbewerbe online ausgetragen werden. Die Biernominierungen stellen keine sonderliche intellektuelle Leistung dar, mit der man sich brüsten kann. Dennoch kann es durchaus witzig sein, wenn man an diesem Blödsinn teilnimmt. Die Menschen deswegen verurteilen? Nein, das halte ich für falsch. Wenn es jemanden Spaß macht, Bier zu trinken und das ins Internet zu stellen. Warum nicht? Er ist dadurch weder ein schlechtes Vorbild, noch irgendwie dämlich. Es handelt sich dabei nur um Bier. Würde man eine halbe Vodka-Flasche exen, wäre es schon eine andere Geschichte. Jeder hat das Recht dieses Unsinn mitzumachen. Es gibt natürlich irgendwelche Moralapostel die es nicht verstehen können. Gut, ich gehöre vielleicht auch dazu. Denn ich persönlich habe auch keinen Spaß daran. Aber wenn Leute daran Spaß haben? Warum nicht?

Eine moderne Art des Kettenbriefes?
“Wenn du diesen Brief nicht an 3 weitere Personen weitersendest, wirst du in einem Jahr sterben.” So oder so ähnlich sind die Inhalte eines Kettenbriefes zusammengefasst. Idiotisch, nervig und absolut unnötig. Biernominierungen werden ganz gerne mal damit verglichen. Doch eigentlich ist es etwas anderes. Es wird bei einer Biernominierung keine Drohung ausgesprochen. Genauso steht es jedem Biernominierungsvideodreher (Was für ein Wort) frei, weitere Personen zu nominieren. Man kann diese Nominierungen genauso gut weglassen. Aber wer macht das denn? Der Nominierung am Ende des Videos ist es ja zu verdanken, dass dieser Trend sich so schnell verbreitet hat. Die Regeln dabei sind ganz einfach: “Entweder du drehst auch ein Video, oder du schuldest mir einen Kasten Bier.” Das ist deutlich amüsanter als: “Entweder du drehst ein Video, oder du stirbst in einem Jahr.” Es ist eine Art Wette und an dieser Wette kann jeder selbst entscheiden, ob er daran teilnimmt oder nicht. Wenn man kein Video drehen möchte, dann gibt man einen Kasten Bier aus. Und wer das nicht möchte? Auch okay. Ich glaube, es wird keiner böse sein, wenn man absolut kein Bock zu diesem Spiel hat. Und wenn doch, sollte man über die Wahl der Facebook-Freunde nachdenken.

Einfach nur nervig?
Das liest man häufig: “Hört auf mit euren Nominierungen! Die sind absolut nervig!”. Dagegen ist nichts einzuwenden. Wenn man überhaupt keine Lust auf dieses Thema hat, ist es absolut verständlich, wenn man es nervig findet. Ich persönlich finde diesen Trend aber weniger nervig, als irgendwelche Leute auf Facebook-Bildern zu markieren, um gegen neue Datenschutzrichtlinien zu protestieren. Ich sehe mir die Videos ganz gerne an und finde sie zum Teil auch recht witzig oder so peinlich, dass sie doch recht amüsant sind.
Wenn man keinen Bock darauf hat? Ich habe schonmal beschrieben, wie man einzelne Inhalte von Freunden aus dem Newsfeed verschwinden lassen kann. Das macht natürlich nicht so viel Spaß, als wenn man sich darüber mehrmals auf Facebook echauffiert. Von daher: Es gibt immer nervige Trends und es gibt immer Leute, die sich darüber beschweren. Das ist nicht zu ändern und von daher: Macht weiter mit euren Biernominierungen, wenn ihr daran Spaß habt. Übrigens: Meistens bleibt es ja bei einem Video pro Person. Wenn ihr also 120 Facebook-Freunde habt, ist das Spaß nach höchstens 120 Videos vorbei, es sei denn, ihr seht Freundesfreunde in eurem Feed. Aber auch das kann man abschalten.
Insgesamt kann man sich also leicht gegen diesen Trend “schützen”. Aufregen ist daher meiner Meinung nach nicht angebracht.

Was haltet ihr von den Biernominierungen?

2 Kommentare
  1. Ein sinnloser Trend. Wieso kann man nicht einfach mal seine eigene Rübe einschalten und nicht immer blind irgendwelchen Trends nachlaufen.
    Das alles erinnert mich an die Massenselbstmorde nach Goethes Theaterstück Werther. Ich meine Liebeskummer hat jeder mal jedoch wird der Eindruck vermittelt Liebeskummer ist gleich Tod.
    In diesem Sinn komme ich auf die “Biernominierung” zurück. Falls das so weiter geht, trinken die “hirnlosen Idioten” irgendwann mal ganze Schnapsflaschen um zu zeigen wie “cool” man ist und wie viel man sich doch “traut”.
    All diese Hochschaukeleien forden schon mal Verluste, jedoch ist jedes dieser “Opfer” selber Schuld. Hätten sie ihr Gehirn benutzt und wären nicht einem sinnlosen und vielleicht etwas waghalsigen Trend hinterhergejagt, könnten zwei Familien leben wie zuvor.
    Langer Text kurze Rede: am Ende muss jeder für sich selbst entscheiden was er wann macht, auch wenn man später mit den übelsten Konsequenzen rechnen muss.

    Antworten
    HeiligeKokosnuss
    9. Februar 2014, 22:40

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